Disruptive Ideen - Notizbuch

Das Disruptionspotenzial von Innovationen – 6 Fragen / 6 Antworten

Gedankenspiele

Nehmen Sie eine x-beliebige Innovationsidee Ihres Unternehmens und spielen Sie diese gedanklich durch:

Quellen: Clayton M. Christensen, Besser als der Zufall, 2016; Anthony W. Ulwick, Jobs to be Done: Theory to Practice, 2016

Schritt für Schritt

  1. Hilft Ihre Innovation* definierten Zielkunden, in funktionaler, emotionaler und sozialer Hinsicht einzelne, eindeutig bestimmbare Aufgaben zu lösen
    • Beispiel: Google als Suchmaschine
    • Aufgabe in funktionaler Hinsicht: Die Antwort auf eine Frage schnell und einfach finden
    • Ergänzend in emotionaler und sozialer Hinsicht: Freude, verschiedene Medien (Text, Bild, Video,…) einzubeziehen, viel mehr als das Gefundene zum Fragethema und um dieses herum erfahren; im Netz zum Spaß ‚surfen‘; Nachweisen, welche Bildung man hat, …
  2. Erfüllt die Innovation die konkrete Aufgabe viel besser und/oder günstiger als am Markt erhältliche Alternativen?
  3. Hilft die Innovation sogar, die Lösung einer Aufgabe stark zu vereinfachen / zu verbilligen oder völlig neu zu definieren?
  4. Erzielt die Innovation ihr Wachstum voraussichtlich durch Substitution und! durch neue Nutzergruppen?
  5. Befriedigt die Innovation Bedürfnisse, die viele Menschen bislang nur auf verschiedenen Märkten oder noch gar nicht befriedigen konnten – mit dem Potenzial, Konkurrenzangebote zu ersetzen?
  6. Hat die Innovation das Potenzial, einen völlig neuen, eigenen Markt zu begründen?

* Produkt-, Dienstleistungs-, Prozess-, Organisations-, Geschäftsmodell-, Technologie-, Marketingnovität

Haben Sie auf die Weise ein einzelnes Vorhaben oder sogar die gesamte Innovationen-Pipeline Ihres Unternehmens durchdekliniert, dann haben Sie sich einen ersten Eindruck vom voraussichtlichen Potenzial jedes einzelne Vorhabens verschafft. 

4 Ergebnisoptionen

A. Novität mit wenig Aussicht auf Erfolg

Kunden kaufen ein Produkt bzw. eine Leistung, um eine Aufgabe, einen ‚Job‘ zu erledigen. Wenn dieser für Ihre Zielkunden in funktionaler, emotionaler und sozialer Hinsicht nicht klar erkennbar ist, und Ihre Zielkunden nicht entdecken, dass sie mit Ihrer Innovation einzigartige, unerfüllte Bedürfnisse decken können, ist ein Erfolg am Markt unwahrscheinlich. Ihre Produkt-, Dienstleistungs-, Prozess-, Organisations-, Geschäftsmodell-, Technologie-, Marketingnovität wird zum Glücksspiel. 

B. Inkrementelle Innovation

Ihre Innovation soll für Kunden eine einzelne, eindeutig bestimmbare Aufgabe lösen – hervorragend. Auch stellt sie eine Verbesserung zu bisher Dagewesenem, den am Markt erhältlichen Angeboten, dar. Allerdings beabsichtigt die Innovation nicht, dem Kunden die Lösung seiner Aufgabe stark zu vereinfachen / zu verbilligen oder gar neu zu definieren. Dementsprechend dürfte das erwartete Wachstum vorrangig durch Substitution der bislang am Markt erhältlichen Angebote erzielt werden. 

Beispiele: Nachfolgemodelle von Automobilen, von Smartphones, und vielen Industrie- und Konsumgütern; aber auch viele Dienstleistungen sind hier zu finden, ebenso Prozess- und Marketinginnovationen

C. Radikale Innovation

Ihre Novität hat das Potenzial, die gegenwärtig am Markt vorhandenen Angebote bei Weitem zu übertreffen. Offenbar erfüllt sie in den Augen potenzieller Kunden eine konkrete Aufgabe viel besser und/oder günstiger als am Markt erhältliche Alternativen. Sie hilft darüber hinaus, die Lösung einer Aufgabe stark zu vereinfachen / zu verbilligen oder völlig neu zu definieren. Die Radikalität Ihrer Innovation liegt auf der Hand. Bedürfnisse aus verschiedenen Märkten bzw. bislang gänzlich unbefriedigte Bedürfnisse zu erfüllen, das ist allerdings kaum zu erwarten. Wachstum wird damit primär durch Substitution vorhandener Angebote am Markt getrieben werden.

Beispiele: AirBnB, SpaceX, Uber, Tesla Model S, Dyson Staubsauger, oftmals neue Geschäftsmodelle, Organisationsinnovationen (Agile sowie Exponentielle Organisationsformen)

D. Disruptive Innovation

Ihre Produkt-, Dienstleistungs-, Prozess-, Organisations-, Geschäftsmodell-, Technologie-, Marketingnovität hat das Potenzial zur disruptiven Innovation. Sie hilft ihren Zielkunden, eine Aufgabe stark vereinfacht / stark verbilligt zu erledigen oder sogar völlig neu zu definieren. Sie peilt Wachstum durch Substitution vorhandener Angebote am Markt und durch neue Nutzergruppen an. Sie befriedigt sowohl Bedürfnisse aus verschiedenen Märkten als auch bislang gänzlich unbefriedigte Bedürfnisse. Und: Sie scheint geeignet, einen neuen, eigenständigen Markt zu begründen. Mehr Potenzial geht nicht.

Beispiele: Offene Marktplätze (Amazon marketplace, u.a.), Apple iPhone, Personal Computer, Dampfmaschine, …

Absprungbasis

Entspricht Ihre erste Einschätzung dem, was Ihr Unternehmen von seinem Portfolio von Innovationsvorhaben erwartet? Ganz gleich, ob ‚ja’ oder ‚nein‘: In jedem Fall haben Sie sich nun eine Absprungbasis erarbeitet, das Innovationen-Portfolio Ihres Unternehmens und jedes einzelne seiner Vorhaben zu diskutieren.


Fotos:

  • Aaron Burden, www.unsplash.com
  • Rawpixel, www.unsplash.com

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